Wie und warum KI unsere Lebens- & Arbeitswelt wandelt

Wie und warum KI einen Wandel unserer Lebens- & Arbeitswelt vorantreibt

Die Idee hinter Künstlicher Intelligenz und auch ihre technologische Umsetzung ist nicht neu. Trotzdem wandelt KI gerade aktuell unsere Lebens- und Arbeitswelten fundamental. Warum das so ist? Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl sieht hier zweierlei Gründe: Zum einen haben sich technologische Rahmenbedingungen verändert. Deutlich verbesserte Rechenkapazitäten, Weiterentwicklung der Algorithmen und Tendenzen hin zu Big Data haben von technologischer Seite auf die Weiterentwicklung eingezahlt. Viel wichtiger ist aus ihrer Sicht aber die wahrgenommene Notwendigkeit der Nutzung von Künstlicher Intelligenz zur Lösung der großen Herausforderungen, die uns ins Haus stehen. Im folgenden Beitrag verrät die Expertin, wie der Wandel sich derzeit gestaltet.

Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl hat den Lehrstuhl für Innovations- und Technologie-Management iTM am Karlsruher Institut für Technologie KIT inne.

Nach dem Studium der Bekleidungstechnik sowie der Betriebswirtschaftslehre promovierte und habilitierte sie sich an der Technischen Universität München. Seit April 2007 leitet sie das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung ISI .

Sie ist Herausgeberin der Reihe „Kooperation von Wissenschaft und Wirtschaft“ und als Gutachterin zahlreicher Institutionen tätig. Ihre Schwerpunkte sind das Management von Innovationen und Technologien, Wissensmanagement, Roadmapping sowie strategische Vorausschau und -Planung.

Status Quo und Gestaltung des KI-getriebenen Wandels

Eine KI bietet uns grundsätzlich den größten Nutzen in hoch komplexen Angelegenheiten – der heutigen Welt mit ihren schnellen Veränderungen und Grand Challenges also. Bisher nutzen wir die KI jedoch zumindest in der öffentlichen Wahrnehmung vorwiegend da, wo es um Algorithmen für Produktvorschläge, Fehlerreduzierung und -behebung oder um eher repetitiven Kundenservice geht. Doch wer war noch nicht genervt, wenn er mal wieder von einem Chatbot empfangen wurde, der so überzeugend war, dass man anfangs auf einen Menschen hoffte und dann doch die Maschine erkannte? Sobald die KI noch „menschlicher“ wird, macht sie uns manchmal Angst. Humanoide Pflegeroboter beispielsweise haben heute noch nicht die nötige Akzeptanz. Dabei könnten sie dem Fachkräftemangel in der Pflege, auch resultierend aus dem demographischen Wandel, also zwei großen Herausforderungen unserer Zeit, begegnen.

Was uns an der Nutzung hindert, ist die Angst, zum einen "ersetzt" zu werden und zum anderen, menschliche Nähe und Empathie zu verlieren.

Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Institutsleiterin des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung und Lehrstuhlinhaberin des Lehrstuhls für Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut für Technologie KIT

Doch auch ohne KI gibt es bereits viele Mensch-Maschine- und Maschine-Maschine-Prozesse. Was die KI tatsächlich ändert, ist, dass sie diese „intelligent“ macht – aber eben nur so intelligent, wie die Idee hinter ihrer Programmierung ist. Das bedeutet für mich, dass die KI den Menschen nie ersetzen kann. Sie kann den Menschen unterstützen, beispielsweise wenn es um riesige Datenmengen oder sehr detaillierte Betrachtung geht, die Idee muss aber der Mensch mitbringen, ebenso wie die Akzeptanz und Unterstützung. Das gelingt, wenn die KI den Menschen nicht ersetzt, sondern insoweit entlastet, dass wieder Zeit für Empathie und die typisch menschlichen Eigenschaften oder Vorzüge bleibt.

Wie wäre es zum Beispiel, wenn uns ein Chatbot nicht gefühlt „abwimmelt“, sondern einige klare Dinge abfragt und definiert, bevor wir dann noch mit einem Menschen sprechen können?

Die Gesellschaft muss die Leitplanken für die Nutzung der KI definieren. Dafür müssen wir politische, ökonomische, soziale, rechtliche und ethische Fragen miteinander diskutieren und gemeinsam eine Vision zur Nutzung der KI entwickeln. Jede Innovation müssen wir von Beginn an lösungs- und bedarfsorientiert denken, um ihre gesamtgesellschaftliche Akzeptanz zu sichern. Dann wissen Wissenschaft und Wirtschaft, woran sie arbeiten müssen und die spätere Akzeptanz sollte leichter zu erreichen sein.

Erreichen der tatsächlichen KI-Potenziale

Um die Potenziale Künstlicher Intelligenz auszuschöpfen, müssen Akteure verschiedenster Bereiche zusammenkommen. Wir brauchen die Politik für die Setzung von Rahmenbedingungen sowie die Wirtschaft und Wissenschaft – gerne in interdisziplinärer Zusammensetzung – für die Weiterentwicklung der Technologie selbst und um Ideen zu entwickeln, wofür wir sie in Zukunft gewinnbringend einsetzen können. Allen voran aber brauchen alle Akteure die Gesellschaft. Die Bürgerinnen und Bürger sollten sich in den Aushandlungs- und Entwicklungsprozessen mit ihren Meinungen und Bedarfen beteiligen können und durch ihre Nutzung zur Weiterentwicklung beitragen. Dafür muss nicht ein jeder und eine jede selbst eine KI programmieren können, aber wir müssen sie bewusst nutzen lernen, um wirklich den Wandel durch KI voranzutreiben.

Aus meiner Sicht ist daher Aus- und Weiterbildung ein ganz wichtiges Stichwort – für Jung wie Alt, aber vor allem nicht nur Technologie-fokussiert. KI kann uns überall begegnen – vom Smart Farming, über medizinische Diagnostik und prädiktive Wartung in der Industrie, bis hin zur Cyber-Abwehr. Entsprechend reicht es da nicht aus, nur die Technologie zu kennen, sondern es müssen Menschen mit Ideen und diversen fachlichen Hintergründen zusammenkommen. Interdisziplinarität und Zusammenarbeit sind die eine Seite der Medaille. Die andere ist nach wie vor die Gestaltung der Nutzung und eine Vision darüber, was wir mit der KI eigentlich erreichen wollen.

Für mich ist es beispielsweise entscheidend, im Kundendialog nicht nur Informationen zu geben und abzufragen, sondern auch dem Kunden auf Augenhöhe zu begegnen. Gerade persönliche Erfahrungen können großen Mehrwert bieten, wenn sie mit ernsthaftem Interesse abgefragt und wieder in den Prozess eingeführt werden.

Hier könnte zum Beispiel eine KI zum Einsatz kommen, die das Feedback auswertet und in Bereiche clustert, an denen gearbeitet werden muss. Wenn ein Problem dann bearbeitet ist, kann jedem Kunden ganz individuell mitgeteilt werden, dass sein Feedback wertvoll war.

Univ.-Prof. Dr. Marion A. Weissenberger-Eibl, Institutsleiterin des Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung und Lehrstuhlinhaberin des Lehrstuhls für Innovations- und TechnologieManagement iTM am Karlsruher Institut für Technologie KIT

Eine andere Art und Weise, KI in diesem Kontext einzusetzen, wäre für eine Identitätsprüfung oder Verifikation von Dokumenten im Vorfeld eines Gesprächs. Dafür müsste aber, wenn es nach mir geht, ein besonderer Fokus auf die Sicherheit und Unmanipulierbarkeit gelegt werden.

Anhand solcher Beispiele möchte ich zeigen, dass wir die KI und ihre Nutzung gemäß unserer Werte gestalten können und müssen. Das meine ich, wenn ich von einer Vision für die KI spreche. Wir müssen uns fragen: Wofür wollen wir sie nutzen und unter welchen Bedingungen – und uns über das Für und Wider einigen. Dann erst können wir das entwickeln, was wir wirklich brauchen und es auch gerne nutzen.

Fazit zum Wandel unserer Lebens- und Arbeitswelt durch KI

Schlussendlich gibt es aus meiner Sicht zwei Stellschrauben, um die enormen Potenziale der KI tatsächlich auszuschöpfen. Wir brauchen eine Idee oder ein Bild von der Zukunft, damit wir abschätzen können, wie es überhaupt werden könnte. Dafür müssen wir vorausdenken und den Blick in die Zukunft richten, uns auf eine Vision einigen. Auf einen Weg, der für uns wirklich gangbar ist. Dann gilt es auch, in die Umsetzung zu gehen – wir müssen der Zukunft aktiv entgegentreten und dabei alle mitnehmen. Dafür müssen wir uns vorbereiten. Nur so können wir die Zukunft auch gestalten. Denn dass KI die Zukunft ist, daran herrscht aus meiner Sicht kein Zweifel.

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