Künstliche Intelligenz im Kundenservice – nicht nur für Chatbots

Automatisierung durch künstliche Intelligenz ist – auch in diesem Jahr – wieder eines der ganz wichtigen Trendthemen in der Kundenservicebranche. Interessanterweise hat sich eine relativ enge Definition in der öffentlichen Diskussion festgesetzt, was KI im Kundenservice denn bedeute: KI, so heißt es, das sind Chatbots, die dem Kunden vollautomatisiert die richtige Antwort auf alle Fragen geben und mit jedem Kundenkontakt noch schlauer werden. Das Thema fasziniert – beflügelt nicht zuletzt von intelligenten Sprachassistenten wie Alexa oder Siri. Die intelligente, lernende 24/7 „Antwortmaschine“ mit menschlicher Persönlichkeit ist der Traum jedes Serviceverantwortlichen – hat aber mit der Wirklichkeit und dem, was KI heute tatsächlich schon leisten kann, nur wenig zu tun.

Automatisierte Antwort, aber keine KI

Die Stiftung Warentest hat im September 2018 einen Servicetest bei den großen Telekommunikationsanbietern in Deutschland veröffentlicht. Auch die im Einsatz befindlichen Chatbots wurden dabei getestet – mit ernüchternden Ergebnissen. „Roboter verstehen fast nichts“ urteilten die Tester, die Bots würden oft nur auf Schlüsselwörter reagieren und ihre Antwort ginge häufig völlig am Thema vorbei. Im Einsatz sind dabei oft Systeme, die automatisierte Antworten auf ein Stichwort liefern, aber die Anfrage nicht wirklich verstehen. Sie basieren nicht auf künstlicher Intelligenz und sind schon gar nicht selbstlernend, sondern darauf angewiesen, dass Entwickler sie im Vorfeld mit Stichwörtern oder Sätzen und dazu passenden Antworten „füttern“.

Thomas Dreikauss ist seit mehr als 20 Jahren im Vertrieb und Management für komplexe Unternehmenssoftware-Lösungen tätig.

Er stieß 2009 als VP Sales zu Sematell, 2012 wurde er zum Geschäftsführer des Saarbrücker Softwareanbieters für KI-basierte Responsemanagement-Lösungen ernannt, seit 2016 gehört er auch zum Gesellschafterkreis.

Selbstlernende KI im Kundenservice? Besser nicht!

Mit der richtigen, „echten“ KI-Technologie aber müsste sich ein Chatbot doch zum perfekten Servicemitarbeiter entwickeln können, oder? Sowohl Microsoft als auch Amazon mussten in den letzten Jahren die Erfahrung machen, dass eine selbstlernende KI ohne vom Menschen vorgegebene Leitplanken keine gute Idee ist. Der Microsoft-Chatbot Tay sollte im Netz lernen, wie junge Menschen reden. Nach wenigen Stunden musste der Versuch abgebrochen werden, weil Tay von Twitter-Nutzern mit rassistischen Inhalten gefüttert worden war, und sich dann pöbelnd durchs Netz bewegte. Amazon wiederum wollte mithilfe von KI den Rekrutierungsprozess beschleunigen und musste dann feststellen, dass die KI – basierend auf historischen Daten von Mitarbeitern – Frauen diskriminierte. Bei dem hohen Stellenwert, den die Customer Experience für Kundenzufriedenheit und Kundenbindung hat, sollte man vor diesem Hintergrund und nach aktuellem KI-Entwicklungsstand besser keine autarke, selbstlernende KI zur Kundenbetreuung einsetzen.

KI muss die Schulbank drücken

Großes Potenzial für die Automatisierung in Servicecentern bietet KI trotzdem und zwar nicht nur für Chat, sondern für sämtliche Servicekanäle. Voraussetzung ist, dass die KI gezielt auf das Erkennen bestimmter wiederkehrender Servicethemen hin trainiert wird und Antwortoptionen zuvor von Serviceexperten entwickelt und inhaltlich geprüft werden. Die KI muss also zunächst die Schulbank drücken und bei menschlichen Serviceexperten in die Lehre gehen.

Mensch + KI = beste Customer Experience

Der Schlüssel für eine wirklich erfolgreiche Automatisierung von Serviceprozessen mit bester Customer Experience ist eine intelligente Kombination aus Mensch, Maschine und durchdachten Serviceprozessen. Mithilfe von Machine Learning und statistischen Verfahren lassen sich Servicethemen im Schriftverkehr präzise erkennen. Die KI kann daraufhin passende Antworten vorschlagen. Dabei ist es völlig irrelevant, ob dies innerhalb eines Chats oder bei einer E-Mail-Bearbeitung erfolgt. Der Mitarbeiter erhält so maximale Unterstützung bei der Bearbeitung von Anfragen. Einfache Anfragen können mithilfe einer leistungsstarken KI sogar vollautomatisiert beantwortet werden. So erhalten Kunden schneller die richtige Antwort – auf allen Servicekanälen.

Künstliche Intelligenz: Starten Sie jetzt den Turbo!

Nachdem 2018 viele nach ihren ersten KI-Projekten eine eher ernüchternde Bilanz gezogen haben, soll 2019 nun den Beweis antreten, dass KI den Kundenservice sinnvoll ergänzen kann. Lesen Sie im CCW-Whitepaper, wo die Chancen und Stolpersteine liegen!



Jessica Halbritter

Ich bin als Referentin Marketing Kommunikation beim CCW-Veranstalter Management Circle tätig. Für unseren Blog zur CCW bin ich für Sie immer auf der Suche nach interessanten Tipps, Tricks und Stories rund um den innovativen Kundendialog.

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