Digitale Souveränität ist möglich! So werden Unternehmen in Europa bei datengetriebenen Geschäftsmodellen unabhängiger

Fast jedes Unternehmen wird in Zukunft sein Geschäftsmodell auf Daten stützen – gerne sicher und unabhängig sollte das Datenmanagement sein. Doch Wertschöpfung entsteht dabei vor allem durch Teilen von Daten. Das birgt Risiken und schafft zusätzliche technologische Abhängigkeiten. Um im digitalen Zeitalter die Souveränität seiner Unternehmen zu sichern, hat Europa die Gaia-X-Initiative ins Leben gerufen: Durch sichere und vertrauenswürdige Datenökosysteme wird ein Rahmen für digitale Geschäftsmodelle nach europäischen Rechtsvorstellungen geschaffen.

Wachstumshoffnung aus Nullen und Einsen

Mit der digitalen Transformation wächst der Beitrag von Daten zur Wertschöpfung quer durch alle Branchen. Beim Übergang von der Industrie- zur Wissensgesellschaft werden Daten in Verbindung mit menschlicher Kreativität zum wichtigsten Wachstumsfaktor in der Wirtschaft. Für den europäischen Binnenmarkt erwartet die EU-Kommission ein Wachstum bei datenbasierten Geschäftsmodellen von 440 Milliarden Euro im Jahr 2021 auf eine Billion Euro bis zum Ende dieses Jahrzehnts. (Quelle: Europäische Kommission Studie)

Was ist ein datengetriebenes Geschäftsmodell und wie werden Daten wertvoll?

Ein Geschäftsmodell lässt sich als die Kernlogik eines Unternehmens verstehen, nach der es Mehrwerte schafft und vermarktet. Ein Industriebetrieb etwa verarbeitet Rohstoffe, veredelt Halbzeuge und entwickelt sie zu Fertigprodukten. Auf jeder Stufe findet eine Wertsteigerung statt, mit der das Unternehmen schließlich einen Gewinn erwirtschaften will. Bei digitalen oder besser: datenbasierten Geschäftsmodellen, beruht der Wertzuwachs im Wesentlichen auf der Nutzung von Daten entlang einer Wertschöpfungskette

Daten gewinnen

Das Fundament digitaler Geschäftsmodelle bilden die Datenquellen. In Zukunft entstehen Daten im immer stärkeren Maß im Internet der Dinge (Internet of Things, IoT). Mittlerweile sind in jedem europäischen Haushalt durchschnittlich 17 Geräte mit dem Internet vernetzt, insgesamt 15 Milliarden IoT-Geräte (Quelle: Statista) sind es weltweit. Bis 2030 soll sich ihre Zahl noch verdoppeln.

Daten sammeln und verarbeiten

Um überhaupt Mehrwerte aus Daten zu gewinnen, müssen sie irgendwo gesammelt, gespeichert und verarbeitet werden. Entsprechend nehmen Infrastruktur- und Entwicklungsplattformen aus der Cloud die zweite Ebene ein.

Daten analysieren und Services vermarkten

Erst auf der letzten Wertschöpfungsstufe finden sich die Datendienste. Hier entsteht der wesentliche Nutzen für Geschäftskunden und Konsumenten. Auf dieser Ebene werden Anbieter künftig persönliche KI-Assistenten, personalisierte Gesundheitsdienste, smartes Dispatching für Stromnetze oder neue Mobilitätsanwendungen vermarkten.

Viele Innovationen aus Daten setzen voraus, dass wir Daten mit anderen teilen: Große Internetkonzerne mögen datenbasierte Geschäftsmodelle im Alleingang abbilden können. Für die Mehrzahl der Unternehmen ist das kein gangbarer Weg. Sie müssen ihre Daten-Wertschöpfungskette über Kooperationen schließen.

Doch hierbei kämpfen Unternehmen mit rechtlichen, technischen und organisatorischen Hürden. 45 Prozent der Unternehmen (Quelle: Bitkom) scheitern schon auf der ersten Wertschöpfungsstufe an mangelnder Markttransparenz: Sie finden keine Datenquellen oder keine passenden Abnehmer für ihre Daten. 38 Prozent fürchten rechtliche Risiken beim Datenaustausch. Um Daten auch nur mit einer Handvoll Partner zu teilen, müssten sich alle Akteure vorher untereinander vertraglich abstimmen.

Auf der zweiten Ebene plagen sich viele Unternehmen mit der Technik: Die Hälfte der Firmen(Quelle:Bitkom), die sich um Datenaustausch bemühen, klagen über inkompatible Datenstrukturen. Hinzu kommt die drohende Abhängigkeit von großen Cloud-Infrastruktur-Anbietern. Ständige Datentransfers zwischen unterschiedlichen Clouds sind umständlich. Einmal dort gespeichert, ist es aufwändig und teuer, sie dort wieder herauszubekommen. Denn die Hyperscaler stellen jedes Bit in Rechnung, das auf ihre Plattformen übertragen oder von ihnen geladen wird.

Restriktive Preismodelle, fehlende Interoperabilität und das Risiko eines Vendor-Lock-ins, treiben die Kosten für datenbasierte Geschäftsmodelle in die Höhe. Bisher kontrolliert nur eine Handvoll Internetplattformen den Großteil der Wertschöpfung aus Daten – auch in Europa. Das Problem der Datenverfügbarkeit und Datensouveränität lösen sie, indem sie Nutzerdaten kurzerhand als Vermögenswert für sich beanspruchen und auf ihren Cloud-Plattformen horten. Marc Zuckerbergs Konzern Meta (Quelle: zdnet) geht beispielsweise so weit, dass er seine Nutzer zur Kasse bitten will: Sie sollen der Vermarktung ihrer persönlichen Daten widersprechen dürfen – gegen eine Gebühr von bis zu 250 Euro pro Jahr.

Unter ähnlichen Prämissen möchte die Wirtschaft ihre Daten sicher nicht teilen. Die Folge: Immer noch verzichten sechs von zehn Unternehmen in Deutschland komplett darauf, Daten mit Dritten auszutauschen, so übereinstimmende Studienergebnisse des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) (Quelle: IW Köln) und des Branchenverbands Bitkom.(Quelle:  Bitkom) Nur wenn Unternehmen ihre Daten gemeinsam bewirtschaften, werden neue Geschäftsmodelle überhaupt eine Chance haben.

Wie unterstützen Datenökosysteme die Datensouveränität?

Die Antwort sind Datenökosysteme ohne Monopole

Was fehlt, ist eine technische Infrastruktur, kombiniert mit einer starken Governance, die das Miteinander regelt. Die Antwort auf dieses Anforderungsprofil sind Datenökosysteme. Seit 2019 entsteht mit der europäischen Initiative Gaia-X eine Infrastruktur für datenbasierte Wertschöpfung auf Open-Source-Basis und nach europäischen Rechtsvorstellungen.

Datenökosysteme sind hier darauf ausgelegt, Monopole zu verhindern und Marktteilnehmern möglichst breite Wahlmöglichkeiten unter Datenquellen, Plattformen und Datendiensten zu bieten. Auf diese Weise werden die Hürden für den Datenaustausch geschliffen und ein stabiles Fundament für digitale Geschäftsmodelle geschaffen.

Die Datenwirtschaft ist Neuland. Viele Unternehmen, die keine Erfahrung mit datenbasierter Kooperation haben, tun sich schwer mit dem ersten Schritt. Sie können sich an den Gaia-X Hub Deutschland wenden. Mittlerweile sind mehr als 500 Organisationen aus 14 Branchen und über 1500 Mitglieder beim Hub organisiert. Hier ist eine nationale Anlaufstelle für alle gesellschaftlichen Akteure, die sich mit dem Austausch von Daten in offenen Datenökosystemen befassen wollen.

Experte Jan Fischer

Gaia-X Hub Germany

Experte Thomas Sprenger

Gaia-X Hub Germany

Download: Rückblick zur CCW 2023

Total Experience Management avanciert zum Wettbewerbsvorteil für Unternehmen und war deshalb Schlüsselthema der CCW Kongressmesse 2023. Wir fassen die wichtigsten Erkenntnisse der beiden Kongresstage für Sie zusammen und stellen die aktuellen Customer Service Trends vor.

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